



Vom heißen Kessel zum Sparweltmeister
Aufgeweichte Hände, täglich mindestens eine Stunde Sisyphusarbeit: In den Sechziger Jahren galt das Geschirrspülen als die wohl unbeliebteste Tätigkeit im Haushalt. Die lästige Arbeit passte zudem schon bald nicht mehr zur aufkeimenden Emanzipation der Frau. Kein Wunder, dass sich der elektrische Geschirrspüler mit dem Aufkommen erster im Handel verfügbarer Geräte schnell zu einem Bestseller mauserte. Heute liegt die Haushaltsabdeckung bei gut zwei Dritteln.
Es war eine eher laue Frühlingsnacht des Jahres 1886. Josephine Cochran beschloss im Angesicht eines gewaltigen Geschirrberges die Erfindung einer Maschine, die spült. Einige Wochen später ging sie zum US-amerikanischen Patentamt. Damit gilt sie nicht nur als die Erfinderin der Spülmaschine, sie war auch die erste Frau, die überhaupt ein Patent einreichte. Ihre Maschine war ein Kupferkessel, in dem sich ein Rad durch einen Motor drehte. Das Geschirr wurde in passenden Drahtkörben hineingestellt und von heißem Seifenwasser gespült.
Siegeszug in Deutschland
Nach ihren Plänen wurden 1893 die ersten Prototypen auf der Weltausstellung in Chicago mit dem Preis für „die beste mechanische Konstruktion, Haltbarkeit und Zweckentsprechung" ausgezeichnet. Josephine Cochran starb 1913. Das war 25 Jahre nach ihrer Erfindung, die seitdem Generationen von Hausfrauen und Hausmännern das Leben bis heute wesentlich erleichtert. Trotz vieler Vorteile stockte aber zunächst auch im Mutterland USA die großflächige Verbreitung der neuen Maschine zum Spülen. Hauptgrund für die sehr langsame Marktdurchdringung war der verhältnismäßig hohe Preis. Die niedrigen Lohnkosten der Tellerwäscher taten ihr übriges.
In Deutschland kam 1929 die erste elektrische Spülmaschine Europas auf den Markt. Die dann folgenden Jahrzehnte, beherrscht von Krieg und Armut, verhinderten aber auch hier zunächst eine zügige Verbreitung. Noch in den 50er Jahren galten Spülmaschinen als absolutes Luxusgut. Und nicht nur das, sie galten generell als entbehrlich, weil das Selbstverständnis der Hausfrauen im Wirtschaftswunder noch überaus traditionell geprägt war. Es gehörte zur originären Aufgabe der Frau, sich mit Spülen und Polieren des wertigen Geschirrs höchst selbst zu plagen. Erst im Zuge der gesellschaftlichen Aufbrüche der 60er Jahre trat auch die Spülmaschine in Deutschland ihren Siegeszug an.
Unverändertes Prinzip
Die technisch immer aufwendiger werdenden Maschinen sind heute echte High-Tech-Geräte. Sie können immer mehr, verbrauchen aber immer weniger Wasser und Energie. Vom Prinzip her wirken beim Spülen aber immer noch drei Faktoren auf das Geschirr wie bei den frühen Modellen: der Wasserdruck, die Temperatur und das Reinigungsmittel. Die rotierenden Düsen in der Maschine pressen die alkalische Spüllauge gegen die Geschirrteile und das Besteck. Der hohe pH-Wert des Wasser-Spülmittel-Gemisches ist genauso wichtig zum Lösen des Fettes und Schmutzes wie der Wasserdruck und dessen Temperatur. Heiße Durchläufe sind vor allem für verfettetes und angetrocknetes Geschirr üblich; kühlere Temperaturen lösen leichten Schmutz von Gläsern, Tellern und Konsorten.
Hilfreiches Energielabel
Haushaltsspülmaschinen benötigen heute im Normalprogramm etwa zwei Stunden. Das ist zwar länger als früher, liegt aber daran, dass mit viel weniger Wasser und Energie gespült wird. Hilfreich ist hier das europäische Energieverbrauchslabel, das durch die Einteilung in Klassen auf den ersten Blick Auskunft darüber gibt, wie viel Energie der Geschirrspüler tatsächlich verbraucht. Auf dem Label ist immer der durchschnittliche Jahresenergieverbrauch (280 Spülzyklen im Normalprogramm) ausgewiesen. Außerdem findet man dort Hinweise zum jährlichen Wasserverbrauch und zur Trockenwirkung.
Viele Spülmaschinen der neuen Generation können auch direkt an die Warmwasserleitung angeschlossen werden. Das spart Strom und ist immer dann sinnvoll, wenn die Warmwasseraufbereitung besonders energieeffizient etwa mit einer modernen Gasheizung oder mit einer Solaranlage erfolgt. Wichtig bei Geschirrspülern im wieder entdeckten Lebensraum Küche ist neben dem Energieverbrauch auch das Laufgeräusch. Längst sind Geräte auf dem Markt, die zu Recht als „flüsterleise“ gelten. Manche sind gar so leise, dass ihr Programmende mittels eines Leuchtsignals auf dem Fußboden der Küche angezeigt wird.
Heute haben 2/3 aller deutschen Haushalte eine Spülmaschine. Die meisten Geräte sind im Bereich der Unterschränke in der Küche eingebaut. Allerdings gibt es einen Trend zum höheren Einbau. So ist es sowohl jungen und älteren Benutzern einfacher möglich, die Maschine ein- und auszuräumen. Was viele Verbraucher übrigens immer noch nicht wissen oder wahr haben wollen: Die moderne Maschinenelektronik macht Spülmaschinen heute sogar ökologisch korrekter und wirtschaftlicher als das klassische Spülen von Hand.
