


Besserer Einblick in die tatsächliche Leistung
Dragoslav Ruzic, Produktmanager Frontlader bei Bauknecht Hausgeräte, über das neue EU Energielabel im Produktbereich Waschen und die Herausforderungen für den Handel.
Die Nutzung des neuen Energielabels ist ab Dezember 2011 verpflichtend. Haben Sie bei Bauknecht bereits auf das neue Label umgestellt?
Wir verwenden die Labels für alle neuen Waschmaschinen bereits seit Mai 2011 und konnten dadurch bereits erste Erfahrungen im Handel sammeln. Die ersten Geräte mit dem neuen Energielabel, die auf dem Markt erschienen sind, waren in der besten Klasse A+++. Mittlerweile sind auch bereits Geräte in der „Überdeklaration“ erhältlich, die bis zu 30 % sparsamer als die Klasse A+++ sind.
Was sind die größten Unterschiede in der Berechnung der Werte für das neue Energielabel?
Gerade im Bereich Waschen unterscheidet sich das neue Energielabel deutlich vom alten und beinhaltet andere Informationen, die den Vergleich zu Geräten mit altem Label schwierig machen. Früher war für das Energielabel das Baumwolle-Programm bei 60 ° C und voller Beladung ausschlaggebend.
Nach neuer Regelung sind mehrere Variablen eingeschlossen: Der Energieverbrauch im 60 ° C Waschprogramm bei voller Beladung, der Energieverbrauch im 60 ° C und 40 ° C Waschprogramm bei Teilbeladung sowie bestimmte Parameter, beispielsweise ob diese „ausgeschaltet“ (off-mode) und „nicht ausgeschaltet“ (left-on-mode) sind. Damit, aber auch mit Angaben über die Schleuderleistung und Geräuschemission, profitieren sowohl die Verbraucher als auch die Industrie. Gerade die Verbraucher erhalten dadurch einen besseren Einblick in die tatsächliche Leistung eines Gerätes.
Was sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit dem neuen Label und was für Probleme sehen Sie durch die Unterschiede zum alten Label?
In Verkaufsgesprächen war das neue Energielabel gewöhnungsbedürftig. Zusätzlich verkompliziert wurde die Situation für den Handel, dass die Benutzung 2011 noch freiwillig war. So musste der Handel nicht nur lernen, die neue und komplexere Regelung dem Verbraucher zu erklären, sondern stand auch vor der Herausforderung, dem Verbraucher schnell und einfach die Unterschiede zwischen dem neuen und dem alten Energielabel aufzuzeigen. Besonders problematisch war die Angabe des jährlichen Energie- und Wasserverbrauchs, weil diese auf 220 Zyklen referenziert sind, im Gegenteil zum Verbrauch pro Standardwaschgang beim alten Label.
Wie wird sich dies auf den Handel im nächsten Jahr auswirken?
Unser Eindruck ist, dass die Hersteller und der Handel das Potenzial des neuen Energielabels noch nicht voll ausgeschöpft haben. Da die neue Regelung komplex ist, entscheiden sich die Handelspartner bei der Werbung bisher oft für die bekannten und eindeutigen Merkmale, wie das Fassungsvermögen, die Drehzahl, das Display oder den Wasserschutz.
Oft wird dabei auch die Energieeffizienzklasse falsch übersetzt, so wird beispielsweise A-10 % auf dem alten Energielabel als A+ auf dem neuen Label interpretiert. Doch die zwei Energielabels können so nicht verglichen werden. Wir denken, dass es noch eine Zeit lang dauern wird, bis der Kunde die Vorteile des neuen Labels erkennt.
