

Backen hat was Meditatives ...
TV-Schauspielerin Caroline Grothgar im Gespräch mit Matthias M. Machan
Geboren in Wien, Schauspielunterricht in New York, Los Angeles und Berlin, TV-Engagements in Frankfurt und München. Was hat Sie aufs Land gezogen?
Wir hatten keine Lust mehr auf die Stadt. Mein Mann hat sich beruflich nach Düsseldorf verändert. Da liegt das Bergische Land vor der Haustüre. Hier leben wir in einem entspannten Umfeld. Es ist nicht alles so reizüberflutet.
Wo ist Ihre Heimat?
Das verändert sich so langsam. Berlin habe ich zunächst lange vermisst. Mittlerweile mag ich das Landleben. Der Alltag ist sehr entspannt. Ich schätze die Kombination, hier zu leben, aber woanders zu arbeiten. Ansonsten ist meine Heimat dort, wo die Menschen sind, die mir am nächsten sind. Meine Familie!
Sie haben BWL studiert, später auch Anglistik und Geschichte. Eine eher seltene Vita, um zum Film zu kommen …
Gut erzählte Geschichten, gutes Schauspiel und authentische Szenen haben mich schon als jungen Menschen fasziniert. Schauspielerin zu werden war aber ein lange unausgesprochener Wunsch. Mein Schlüsselerlebnis hatte ich in New York. Dort, wo beinahe jeder Dritte was mit Schauspielerei zu tun hat, haben mich Freunde animiert, es einfach zu wagen. Und als ich dann nach Deutschland zurückkam, schlug die Stunde der Privatsender mit ihren Daily-Soaps. Das war meine Chance.
Sie sind die „rechte Hand von Frankfurts bekanntestem Strafverteidiger“ Dr. Michael Lessing“ – der ermittelt in der ZDF-Serie „Ein Fall für zwei“. Wie viel von Caroline Grothgar steckt in Kristin Wernstedt?
Anfangs dachte ich, die Kristin Wernstedt hat so gar nichts von mir, so geradeaus, freundlich und kompetent wie sie auftritt. Mir sind zwiespältige Rollen eher vertraut, die machen mir ungemein Spaß. Aber in der Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit der Kristin Wernstedt erkenne ich mich schon wieder.
Sie hatten ihren Durchbruch in der ARD-Daily „Marienhof“. Dann folgten Serien wie „Die Wache" und die Telenovela „Rote Rosen". Werden Sie zwischenzeitlich auf der Straße erkannt?
Eigentlich unglaublich: Die meisten, die mich erkennen, verbinden mich immer noch mit dem „Marienhof“. Das ist 18 Jahre her! Aber da war ich wohl täglicher Bestandteil ihres Lebens. Und ich habe in meiner Rolle keinen kalt gelassen: Die Menschen haben einen entweder geliebt oder gehasst.
Wie müssen die Rollen sein, die Ihnen auf den Leib geschrieben sind?
Ich spiele gerne vielschichtige Charaktere. Frauen, die man auf den ersten Blick nicht einschätzen kann, die ein Geheimnis mit sich tragen. Aber auch das glamouröse Milieu hat es mir angetan. Es macht mir Spaß, wohlhabende Frauen zu spielen.
Wenn Sie auf Reisen sind: Was darf in Ihrem Koffer auf keinen Fall fehlen?
Sie werden lachen: Meine Hausschuhe! Warum? Fremde Hotelteppiche waren mir schon immer suspekt.
Was muss ein Schauspieler mitbringen, um in dieser Branche erfolgreich zu sein?
Man muss Talent haben, zuverlässig und teamfähig sein. Am „Dreh“ ist kein Platz für Eitelkeiten. Da muss man einfach nur funktionieren.
Sind die Zeiten härter geworden?
Der Markt ist in der Tat härter geworden. Es werden weniger Fiction-Formate produziert, das heißt also auch weniger Arbeit für immer mehr Schauspieler. Ein Schauspieler muss sich heutzutage sehr viel mehr Zeit für die Vermarktung seiner Person nehmen.
Was darf in Ihrem Kühlschrank auf keinen Fall fehlen?
Milch und Joghurt. Ein Joghurt mit Honig ist die erste Energiequelle für mich am Tag. Ohne den geht es gar nicht …
Kein Kaffee als Muntermacher am Morgen?
Morgens trinke ich lieber Tee. Aber am späten Vormittag – wenn der erste Durchhänger kommt – muss es Kaffee sein. Und am Nachmittag gerne einen Latte Macchiato…
Man hat mir zugeflüstert, dass Sie gerne backen…
Ich backe leidenschaftlich gerne, Konditorin wäre vielleicht früher mal eine Alternative gewesen. Backen hat für mich was Meditatives. Ich liebe selbstgebackene Kuchen. Als Mutter ist man heute aber vor allem mit den täglichen Mahlzeiten beschäftigt.
Und die Küche, Mittelpunkt des Wohnens?
Wir haben eine offene Küche zum Wohnzimmer hin. Seitdem wir die Wand heraus gerissen haben, sind die Übergänge zwischen Wohnen und Küche fließend – mit schönem Blick in den Garten.
Zwei Kinder, zahlreiche Dreh-Engagements für TV-Serien. Wie bekommen Sie das unter einen Hut?
Das geht nur mit viel Unterstützung durch die ganze Familie, aber das klappt prima.
Wie tanken Sie Kraft?
Ganz unspektakulär. Etwa bei einem langen Spaziergang alleine. Und an Tagen, die man mit der Familie ganz ohne Verpflichtungen verbringen kann. Herrlich!
Weihnachten steht vor der Tür ...
Bei uns geht es ganz klassisch zu: Mit der Familie unter dem Weihnachtsbaum. Bei der Auswahl des Weihnachtsessen gibt es allerdings zwei Fraktionen: Die Männer wollen Kartoffelsalat und Würstchen, meine Mutter und ich wollen es etwas festlicher und eleganter. Meistens setzen wir uns durch.
